FAQs - Eltern fragen, PsychologInnen antworten
- Hilfe, mein Kind lügt! Warum und wie verhalte ich mich?
- Was erwartet mich und mein Kind bei einer Entwicklungsdiagnostik?
- Wann kann eine Entwicklungsdiagnostik sinnvoll sein?
- Was ist der Unterschied zwischen PsychologIn, PsychotherapeutIn und PsychiaterIn?
- Wo kann ich eine Entwicklungsdiagnostik durchführen lassen?
- Muss ich etwas für die Entwicklungsdiagnostik zahlen?
- Welche Empfehlungen / Interventionen werden von KinderpsychologInnen gegeben?
- Was ist eine Vertragspsychologin bzw. ein Vertragspsychologe?
- Was ist eine Wahlpsychologin bzw. ein Wahlpsychologe?
- Was ist der Unterschied zwischen klinisch-psychologischer Behandlung und klinisch-psychologischer Diagnostik?
- Gibt es klinisch-psychologische Behandlung „auf Krankenschein“?
- Bei welchen öffentlichen Institutionen kann ich mein Kind entwicklungspsychologisch abklären („testen“) lassen?
- Wo finde ich eine geeignete Kinderpsychologin/ einen geeigneten Kinderpsychologen?
- Wie sind Kinderpsychologinnen/Kinderpsychologen ausgebildet?
- Gibt es Kinderbücher, die Kinderpsychologinnen bzw. Kinderpsychologen empfehlen?
- Gibt es Elternratgeber, die von Kinderpsychologinnen bzw. Kinderpsychologen empfohlen werden?
F: Hilfe, mein Kind lügt! Warum und wie verhalte ich mich?
A: Wir alle tun es, manchmal sogar mehrmals täglich, doch wenn Eltern ihr Kind beim Lügen „ertappen“, sind diese häufig verunsichert und fragen sich, wie sie mit der kindlichen Lüge umgehen sollen. Lesen sie ab wann Kinder mit dem Lügen beginnen, welche Motive dahinter stehen können, wie sie sich als Elternteil verhalten sollen und was es bedeutet, wenn Kinder häufig zu einer Lüge greifen.
ENTWICKLUNG DER KINDLICHEN LÜGE
Bewusst zu lügen stellt einen komplexen kognitiven Prozess dar, den Kinder erst einmal erlernen müssen. Lügengeschichten müssen logisch und natürlich auch glaubwürdig sein, Mimik und Gestik müssen kontrolliert werden, Konsequenzen antizipiert werden und weiters müssen Lügen auch möglichem kritischen Nachfragen standhalten. Etwa bis zum vierten Lebensjahr können Kinder noch nicht so gut zwischen Realität und Fantasie unterscheiden. So kommt es häufig dazu, dass sie Geschichten erfinden, auftretende Erinnerungslücken in zeitlichen Abfolgen fantasievoll ausschmücken, von Fantasiefreunden berichten etc.
Vorraussetzung für bewusstes Lügen ist jedoch, dass man in der Lage ist, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Kinder müssen also erst einmal begreifen, dass sich ihr eigener Wissensstand von dem anderer Personen unterscheidet. Dieser wichtige kognitive Entwicklungsschritt geschieht etwa im Alter von drei bis vier Jahren. Je intelligenter ein Kleinkind ist, desto früher kann es mit dem Lügen beginnen. Es bedeutet, dass es die Perspektive eines anderen Menschen einnehmen kann. Kleinkinder gehen noch davon aus, dass ihr eigener Wissensstand der allgemein gültige ist, somit sind sie auch noch nicht in der Lage andere willentlich zu „manipulieren“.
MOTIVE HINTER DER KINDLICHEN LÜGE
Sobald Kinder in der Lage sind bewusst zu lügen, steckt dahinter auch eine gewisse Absicht. Häufige Motive sind z. B. Angst vor einer Strafe, Wunsch nach Anerkennung und Aufmerksamkeit, Überforderung oder auch Scham. Außerdem können auch Motive wie Höflichkeit und Rücksichtnahme hinter einer Lüge stehen.
DER RICHTIGE UMGANG MIT DER KINDLICHEN LÜGE
Wie soll man nun also als Elternteil reagieren, wenn man sein Kind bei einer Lüge „ertappt“? Grundsätzlich ist es nicht zielführend die Lüge per se zu verbannen. Wenn Kinder lügen steckt dahinter ein Motiv und genau dieses gilt es auch herauszufinden. Eltern sollten das Gespräch mit dem Kind suchen und klären, warum es zu einer Lüge gegriffen hat. Dies sollte ohne Einschüchterung und ohne Druck geschehen. Geben sie ihrem Kind die Möglichkeit die Wahrheit zu sagen, ohne dabei sein Gesicht zu verlieren. Sie sollten dem Kind vermitteln, dass es immer offen und ehrlich mit ihnen sprechen kann und dass das Sagen der Wahrheit durch Lob und Anerkennung belohnt wird. Mit dem Setzen von negativen Konsequenzen oder Strafen erreicht man meist nur das Gegenteil. Viel wichtiger ist es Kindern grundsätzlich beizubringen, dass die menschliche Interaktion auf Ehrlichkeit basieren sollte und Lügen oft negative Auswirkungen haben können. Dazu müssen Eltern natürlich als positives Rollenmodell wirken, denn Kinder ahmen das Verhalten ihrer Eltern nach.
Ziel sollte es sein, seinem Kind ein gesundes Moralverständnis zu vermitteln, denn es gibt keine Gesellschaft ohne Lügen. Kindern wird in der Regel erklärt, dass Unehrlichkeit per se verwerflich ist. Aber nicht jede Lüge ist schlecht und auch Ehrlichkeit nicht immer gut – somit ist die Fähigkeit sich zwischen Wahrheit oder Lüge zu entscheiden ein wichtiger Teil der Persönlichkeitsentwicklung und somit des Erwachsenseins.
GRÜNDE FÜR HÄUFIGES LÜGEN
Wenn Kinder sehr häufig lügen kann dies dadurch begründet sein, dass lügen durch positive Konsequenzen verstärkt wurde. Wenn ein Kind zum Beispiel bemerkt, dass es durch aufregende Lügengeschichten von den Eltern mehr Anerkennung oder Aufmerksamkeit erfährt, wird es öfter zu einer Lüge greifen. Außerdem hängt der Umgang mit der Wahrheit natürlich auch davon ab, welches Verhalten von den Eltern vorgelebt wird. Wenn Kinder ihre Eltern häufig beim Lügen „ertappen“ werden sie unehrliches Verhalten als adäquat erachten und ebenso öfter zu einer Lüge greifen. Wichtig ist weiters, dass Kinder keine Angst davor haben sollten, auch in heiklen Situationen ihren Eltern die Wahrheit sagen zu dürfen. Wenn Eltern zum Beispiel bei schlechten Schulleistungen stets zu harten Sanktionen greifen, fördert das natürlich unehrliches Verhalten. Ein offenes und auf Vertrauen basierendes Familienklima ist essentiell für das Sagen der Wahrheit.
F: Was erwartet mich und mein Kind bei einer Entwicklungsdiagnostik?
A: In einem Gespräch wird mit Ihnen Ihr Anliegen an die Psychologin / den Psychologen geklärt und eine Fragestellung erarbeitet. Dies kann zum Beispiel sein, dass Sie sich Sorgen um die altersentsprechende kognitive (geistige) Entwicklung (wie Wahrnehmen, Denken usw.) Ihres Kindes machen.
Weitere Inhalte des Gesprächs sind beispielsweise Fragen zum bisherigen Entwicklungsverlauf Ihres Kindes wie zum Schwangerschaftsverlauf, zur Geburt, zu den einzelnen Entwicklungsmeilensteinen ihres Kindes (Sprach-, motorische Entwicklung, Sauberkeitsentwicklung, soziale und emotionale Entwicklung).
Mit einem wissenschaftlich geprüften psychologischen Verfahren („Entwicklungstest“) wird der Entwicklungsstand ihres Kindes erhoben. Es werden Ihrem Kind zu den verschiedenen Bereichen der Entwicklung mit Hilfe von kindgerecht und ansprechend gestalteten Materialien Aufgaben gestellt. Die somit erhaltenen Daten werden von der Psychologin / dem Psychologen ausgewertet. Zusätzlich wird noch das Verhalten ihres Kindes bei der Bearbeitung der Aufgabenstellungen beobachtet um wichtige Informationen über dessen Arbeitshaltung, Aufmerksamkeit und sprachliche Ausdrucksfähigkeit zu erhalten. Manchmal wird Ihnen oder auch anderen wichtigen Bezugspersonen (z.B. KindergartenpädagogIn) ein standardisierter Fragebogen zur Entwicklung Ihres Kindes ausgehändigt, bei dem Sie oder die Bezugsperson Fragen zur Entwicklung Ihres Kindes beantworten. In der Zusammenschau der Ergebnisse gewinnt die Psychologin / der Psychologe Informationen über den Entwicklungsstand und kann bei Bedarf, wenn das Kind in dem einen oder anderen Bereich noch Unterstützung benötigt, Vorschläge zur Förderung ableiten. Die Ergebnisse und Empfehlungen werden in einem abschließenden Gespräch mit Ihnen erörtert.
F: Wann kann eine Entwicklungsdiagnostik sinnvoll sein?
A: Wenn Sie merken, dass sich Ihr Kind im Vergleich zu Gleichaltrigen langsamer entwickelt und Sie wissen wollen, wie Ihr Kind optimal gefördert werden kann. Manchmal ist es auch so, dass Ihnen KindergartenpädagogInnen aufgrund des Verhaltens Ihres Kindes oder aufgrund beobachteter Schwierigkeiten empfehlen, eine Entwicklungsdiagnostik durchführen zu lassen.
F: Was ist der Unterschied zwischen PsychologIn, PsychotherapeutIn und PsychiaterIn?
A: PsychologInnen absolvieren ein mehrjähriges Studium der Psychologie. Psychologie ist die Wissenschaft vom Erleben und Verhalten des Menschen. Viele PsychologInnen schließen ihrem Studium noch eine Ausbildung zur Klinischen PsychologIn und GesundheitspsychologIn an. Klinische PsychologInnen führen klinisch-psychologische Diagnostik, Beratungen und klinisch-psychologische Behandlungen in verschiedenen „Settings“ (sowohl einzeln, als auch mit Paaren, (Teil-)Familien oder Gruppen) durch (vgl. dazu das Psychologengesetz).
PsychotherapeutInnen absolvieren nach erlerntem Grundberuf (Medizin, Pädagogik, Philosophie, Psychologie, Publizistik- und Kommunikationswissenschaft , Theologie oder ein Studium für das Lehramt an höheren Schulen; bei anderen Vorausbildungen ist ein Gutachten über die Eignung erforderlich) eine mehrjährige berufsbegleitende Ausbildung. Psychotherapie zielt auf die Heilung eines Leidenszustandes ab (vgl. dazu das Psychotherapiegesetz).
PsychiaterInnen haben zunächst Medizin studiert und sich danach in ihrer Facharztausbildung im Bereich der Psychiatrie spezialisiert. Es gibt auch speziell ausgebildete Kinder- und Jugend(neuro)psychiaterInnen. Als ÄrztInnen dürfen sie auch Medikamente verschreiben.
F: Wo kann ich eine Entwicklungsdiagnostik durchführen lassen?
A: Es gibt verschiedene Möglichkeiten:
• Öffentliche Institutionen, die eine kinderpsychologische Diagnostik anbieten
• Niedergelassene Klinische Psychologinnen/Psychologen mit Schwerpunkt Kinderpsychologie (VertragspsychologInnen, WahlpsychologInnen, Klinische PsychologInnen ohne Kassen(teil)refundierung)
F: Muss ich etwas für die Entwicklungsdiagnostik zahlen?
A: In Institutionen muss meistens nicht für eine psychologische Diagnostik, wozu auch eine Entwicklungsdiagnostik gezählt wird, gezahlt werden, da diese über die Krankenkasse abgerechnet oder durch andere Kostenträger übernommen wird. Manchmal wird ein „Sozialtarif“ (gestaffelt nach Einkommen) verrechnet.
Auch bei VertragspsychologInnen kann die Entwicklungsdiagnostik vollständig mit der Krankenkasse verrechnet werden.
Des Weiteren gibt es WahlpsychologInnen mit Schwerpunkt im Bereich der Kinderpsychologie (ähnlich wie WahlärztInnen), bei denen eine Teilrefundierung durch die Krankenkasse möglich ist, wobei ein Selbstbehalt von Ihnen zu zahlen ist.
Des Weiteren gibt es Klinische PsychologInnen mit Schwerpunkt Kinderpsychologie in freien Praxen, bei denen das Honorar zur Gänze selbst zu zahlen ist (ähnlich wie bei einem Privatarzt).
F: Welche Empfehlungen / Interventionen werden von KinderpsychologInnen gegeben?
A: Empfehlungen, die von KinderpsychologInnen gegeben werden hängen von den Ergebnissen der Entwicklungsabklärung ab. Wenn Ihr Kind beispielsweise beim Artikulieren im Vergleich zu Gleichaltrigen Probleme hat, kann Logopädie empfohlen werden. Weiters können beispielsweise Ergotherapie, Erziehungsberatung, klinisch-psychologische Behandlung oder Psychotherapie empfohlen werden.
F: Was ist eine Vertragspsychologin bzw. ein Vertragspsychologe?
A: VertragspsychologInnen arbeiten in freien Praxen und haben für klinisch-psychologische Diagnostik mit den Sozialversicherungsträgern Verträge (vergleichbar mit Kassenärzten). Dadurch kann die klinisch-psychologische Diagnostik vollständig mit der Krankenkasse verrechnet werden, wenn Sie eine ärztliche Überweisung für eine „klinisch-psychologische Diagnostik“ vom Kinderfacharzt mitbringen. (Falls Sie vom Praktischen Arzt überwiesen werden, brauchen Sie noch einen Genehmigungsstempel von der Krankenkasse.)
F: Was ist eine Wahlpsychologin bzw. ein Wahlpsychologe?
A: Bei WahlpsychologInnen wird ein Teil der Kosten (maximal 80%) für die Entwicklungsabklärung von der Krankenkasse übernommen. Ein Selbstbehalt ist je nach Honorarhöhe der Klinischen Psychologen/ des Klinischen Pychologen von Ihnen zu zahlen. Sie benötigen auch hierzu eine ärztliche Überweisung für eine klinisch-psychologische Diagnostik. Sie zahlen zunächst das gesamte Honorar selbst und reichen die Honorarnote und die ärztliche Überweisung dann bei Ihrem Sozialversicherungsträger zwecks Teilrefundierung ein.
F: Was ist der Unterschied zwischen klinisch-psychologischer Behandlung und klinisch-psychologischer Diagnostik?
A: Mit Hilfe der klinisch-psychologischen Diagnostik sollen Entwicklungsverzögerungen oder auch mögliche Ursachen für Verhaltensschwierigkeiten festgestellt werden. Diese psychologische Leistung kann mit der Krankenkasse abgerechnet werden (vgl. dazu den Punkt „Muss ich etwas für die Entwicklungsdiagnostik zahlen?“). Anhand der Ergebnisse erstellt die Kinderpsychologin /der Kinderpsychologe einen Behandlungsplan.
Bei der klinisch-psychologischen Behandlung können mit fundierten Methoden belastende Verhaltensweisen (wie zum Beispiel Ängste, Depressionen, übermäßig starke Wutanfälle) gemildert werden. Im Gegensatz zur klinisch-psychologischen Diagnostik werden die Kosten für eine klinisch-psychologische Behandlung derzeit NICHT von den Krankenkassen übernommen.
F: Gibt es klinisch-psychologische Behandlung „auf Krankenschein“?
A: Nein, leider werden derzeit in Österreich die Kosten für eine klinisch-psychologische Behandlung nicht von den Krankenkassen übernommen. Diese Behandlung ist zur Gänze privat zu bezahlen. Anders verhält es sich bei der klinisch-psychologischen Diagnostik.
F: Bei welchen öffentlichen Institutionen kann ich mein Kind entwicklungspsychologisch abklären („testen“) lassen?
A: Bitte wenden Sie sich dafür an die Helpline des BÖP unter 01/504 80 00
F: Wo finde ich eine geeignete Kinderpsychologin/ einen geeigneten Kinderpsychologen?
A: Bitte wenden Sie sich an die Helpline des BÖP unter 01/504 80 00. Hier werden Ihnen speziell ausgebildete KinderpsychologInnen in Ihrer Wohnumgebung empfohlen. Wenn Sie selbst nach einer KinderpsychologIn suchen wollen, dann steht Ihnen Online eine Datenbank zur Verfügung: www.psychnet.at
F: Wie sind Kinderpsychologinnen/Kinderpsychologen ausgebildet?
A: KinderpsychologInnen absolvieren das Studium der Psychologie. Bereits während des Studiums oder anschließend spezialisieren sie sich auf die Entwicklungspsychologie bzw. Kinderpsychologie. Zum überwiegenden Teil schließen KinderpsychologInnen nach der universitären Ausbildung eine Ausbildung zur Klinischen PsychologIn an und vertiefen ihr kinderpsychologisches Wissen sowohl theoretisch in zahlreichen Seminaren als auch praktisch in Form eines aufwändigen Praktikums (in Kliniken, Beratungsstellen etc, die den Schwerpunkt Kinderpsychologie haben).
F: Gibt es Kinderbücher, die Kinderpsychologinnen bzw. Kinderpsychologen empfehlen?
A: Bitte klicken Sie auf das Thema Literaturempfehlungen.
F: Gibt es Elternratgeber, die von Kinderpsychologinnen/Kinderpsychologen empfohlen werden?
A: Bitte klicken Sie auf das Thema Literaturempfehlungen.
Wir bedanken uns herzlich bei Frau Mag. Claudia Rupp, Frau Mag. Andrea Platzer, Frau Mag. Patricia Winkler und Frau Mag. Katharina Zobernig für die Zusammenstellung der Fragen und Antworten!
