Sektion
Verkehrspsychologie


 

 


Mobilität im Alter


Mehr ältere Menschen im Straßenverkehr
Wir Österreicher werden immer älter und dies in doppeltem Sinn. Der Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung wird kontinuierlich steigen, aber auch unsere Lebenserwartung steigt kontinuierlich. Die Annahmen zur Lebenserwartung mussten in den letzen Jahrzehnten mehrmals nach oben korrigiert werden – zuletzt ist die berechnete durchschnittliche Lebenserwartung innerhalb von 10 Jahren um drei Jahre angehoben worden!
Klare Konsequenz – es wird mehr ältere Autofahrerinnen und Autofahrer geben. Auch das Bild des älteren Verkehrsteilnehmers als unroutiniert und gefährlich kann nicht mehr aufrechterhalten werden. Ältere Menschen haben heute viel mehr Routine als in früheren Jahren und ältere Menschen sind in der Regel heute wesentlich gesünder und leistungsfähiger als noch vor wenigen Jahrzehnten. 90-Jährige und ältere Autofahrerinnen werden nicht die Ausnahme sein sondern werden einen großen Anteil der Verkehrsteilnehmerinnen ausmachen.

Wie sicher ist Autofahren im Alter?
Insgesamt finden wir in der Unfallstatistik einen Gipfel bei den jüngeren Fahrern, ältere Menschen weichen von den relativ sicheren mittelalterlichen Fahrerinnen und Fahren (noch) kaum ab. Dieses gute Bild entsteht dadurch, dass ältere Menschen tatsächlich weniger fahren und auch riskantere Verkehrsbedingungen vermeiden.
Es macht also Sinn, Zeiten mit hoher Verkehrsdichte zu vermeiden, bei ungünstigen Wetterbedingungen das Auto stehen zu lassen, Fahrten bei Dunkelheit und schlechter Sicht zu vermeiden, ein Auto mit Automatikgetriebe zu wählen.

Wie steht es um meine Fahrtauglichkeit?
Im Einzelfall kann es durchaus zu bedenklichen Einschränkungen der Fahrtauglichkeit kommen, ohne dass das der/die Betroffene selbst deutlich wahrnimmt. Für das sichere Lenken von Kraftfahrzeugen sind das Zusammenwirken vieler Sinnesfunktionen, eine hohe Entscheidungssicherheit und intakte motorische Funktionen nötig. Gibt es in einem der Bereiche eine deutliche Verschlechterung, so fällt das der/dem Einzelnen auch auf. Tückischer ist aber wenn (typischerweise) Veränderungen in vielen Bereichen langsam vor sich gehen.
Was an Einschränkungen für das Leben im Alltag unbedeutend ist, kann im Straßenverkehr große Gefahren nach sich ziehen. Das Tempo in dem Entscheidungen und Handlungen zu setzen sind, kann beim Lenken von Kraftfahrzeugen nur zum Teil durch eigene Voraussicht beeinflusst werden, die Fähigkeit zu raschem Handeln muss immer gegeben sein! Sie selbst sind verantwortlich, ihre Fahrtauglichkeit richtig einzuschätzen, nennenswerte gesundheitliche Änderungen müssen Sie selbst der Führerscheinbehörde anzeigen!

Überprüfung der eigenen Fahrtauglichkeit
Einige Dinge sollten Sie jedenfalls beachten – Überprüfung von Seh- und Hörfunktion durch Facharzt, Anzeichen von Unbehagen oder Überforderung beim Fahren (angehupt werden, Schrecksituationen etc.) ernst nehmen!
Bei Zweifeln, oder auch nur zur eigenen Orientierung empfehlen wir eine verkehrspsychologische Untersuchung, die Sie bei Mitgliedern des Berufsverbandes in qualifizierten Untersuchungsstellen privat machen können. Sie bekommen dort eine professionelle Einschätzung und allfällige Empfehlungen, was Sie beachten müssen.

Vielfalt der Mobilität im Alter
Autofahren ist eine Form der Fortbewegung unter vielen, andere Formen haben viele Qualitäten, die gepflegt werden sollten. Wir Österreicher bewegen uns zu wenig – gehen und Rad fahren im Alltag erhält gesund und erleichtert das Treffen von Bekannten. Fahrgemeinschaften und öffentliche Verkehrsmittel schaffen Kontakte.
Wer sich im Alter vor Vereinsamung schützen will, soll früh beginnen, seine Wege und sein Wohnen so zu organisieren, dass er/sie gut vernetzt ist, auch so, dass er/sie ohne Auto am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann!