Weltfrauentag 2026: Psychische Gesundheit von Frauen ist eine Frage der Gerechtigkeit
Geschlechtersensible Versorgung als Schlüssel zu mentaler Gesundheit
Anlässlich des Internationalen Frauentags 2026 weist der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) auf die anhaltend ungleiche Verteilung psychischer Belastungen und Versorgungsmöglichkeiten zwischen den Geschlechtern hin. Frauen sind überdurchschnittlich häufig von Depressionen, Angststörungen, psychosomatischen Erkrankungen und Gewalterfahrungen betroffen – gleichzeitig stoßen sie besonders oft auf finanzielle, strukturelle und diagnostische Hürden beim Zugang zu psychologischer Hilfe und: Leiden von Frauen werden deutlich häufiger bagatellisiert und nicht ernst genommen.
„Psychische Gesundheit ist kein individuelles Luxusproblem, sondern unser aller gesellschaftliche Verantwortung“, betont a.o. Univ.-Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger, Präsidentin des BÖP. „Wenn Frauen trotz höherer Belastung länger auf Therapieplätze warten oder Behandlungen selbst finanzieren müssen, dann ist das keine private Schwierigkeit, sondern ein Gerechtigkeitsdefizit.“
Ein zentraler Belastungsfaktor bleibt die ungleiche Verteilung unbezahlter, familiärer Care-Arbeit. Die Gleichzeitigkeit u.a. von Erwerbsarbeit, Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen führt bei vielen Frauen zu chronischer Überforderung. Diese strukturelle Mehrfachbelastung wird noch fälschlicherweise als selbstverständlich akzeptiert. Der BÖP fordert daher den Ausbau niederschwelliger, kassenfinanzierter (gesundheitspsychologischer) Präventionsangebote, die frühzeitig entlasten und nicht erst im Stadium schwerer Erkrankungen ansetzen.
Darüber hinaus macht der BÖP auf Defizite in der geschlechtersensiblen Diagnostik aufmerksam. Psychische Erkrankungen äußern sich bei Frauen häufig anders als bei Männern und sind stärker von biografischen, sozialen und hormonellen Faktoren geprägt. „Eine moderne psychosoziale Versorgung muss diese Unterschiede berücksichtigen“, erklärt die BÖP-Präsidentin.
Der BÖP begrüßt ausdrücklich, dass das Thema Gewalt und psychische Gesundheit von Frauen im aktuellen Regierungsprogramm aufgegriffen wurde. Gleichzeitig appelliert der Verband an Politik, Gesundheitsberufe, die Ärzteschaft sowie relevante Institutionen und Vereine, sich stärker zu solidarisieren und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.
Zum Weltfrauentag 2026 appelliert der BÖP an die politischen Entscheidungsträger:innen, psychische Gesundheit von Frauen als festen Bestandteil von Gleichstellungs- und Gesundheitspolitik zu verankern. „Gerechtigkeit beginnt dort, wo psychologische Versorgung verlässlich, leistbar und für alle zugänglich ist – nicht nur am 8. März, sondern das ganze Jahr über“, so BÖP-Präsidentin a.o. Univ.-Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger.
