Gerechte Aufteilung der Care-Arbeit statt Blumen zum Muttertag
Der BÖP weist am Muttertag auf die hohen psychischen Belastungen von Müttern aufgrund des Gender-Care-Gaps hin
Anlässlich des Muttertages am 10. Mai 2026 weist der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) auf die hohe psychische Belastung von Müttern hin. Während der Muttertag für Dankbarkeit und Wertschätzung von Müttern steht, sieht der Alltag zahlreicher Mütter anders aus: Viele von ihnen leiden täglich unter den Auswirkungen von Mental Load und ungleicher Verteilung von Care-Arbeit auf ihr psychisches Wohlbefinden.
Mental Load bezeichnet unsichtbare, kognitive Arbeit wie Planen, Organisieren und Erinnern. Care-Arbeit bezeichnet sichtbare Arbeit, wozu unter anderem Hausarbeit, Kinderbetreuung, die Pflege von Angehörigen und ehrenamtliche Tätigkeiten zählen.
Frauen verbrachten im Jahr 2024 durchschnittlich 43% mehr Zeit mit unbezahlter Care-Arbeit als Männer. Dies entspricht 1 Stunde und 16 Minuten pro Tag. Dieser Unterschied wird Gender-Care-Gap genannt. Neben Hindernissen in der Karriere, finanzieller Benachteiligung, potenzieller Altersarmut und wenig Sicherheit hat der Gender-Care-Gap auch Mehrfachbelastungen, Erschöpfung und Stress zur Folge, was zu körperlichen und psychischen Problemen und Erkrankungen wie Schlafstörungen, Burnout oder depressiven Symptomen führen kann.
„Unbezahlte und ungleich verteilte Care-Arbeit stellt eine große psychische Belastung dar, die die Entstehung psychischer Erkrankungen begünstigen kann. Die Wertschätzung von Frauen darf nicht auf einen Tag im Jahr beschränkt bleiben – es braucht grundlegende gesellschaftliche und politische Veränderungen in der Anerkennung der Care-Arbeit von Frauen“, so BÖP-Präsidentin a.o. Univ.-Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger.
Der BÖP befürwortet daher einen Ausbau leistbarer, qualitativ hochwertiger Kinderbetreuungsangebote sowie eine stärkere Einbindung der Väter in die Care-Arbeit, zum Beispiel durch flexiblere Karenzmodelle für beide Elternteile. Außerdem betont er die Wichtigkeit des Ausbaus psychologischer Unterstützungsangebote – sowohl hinsichtlich Kapazitäten wie auch einer leistbaren Finanzierung – gerade auch für Mütter und insbesondere Alleinerzieherinnen, die einem erhöhten Armutsrisiko ausgesetzt sind, damit psychische Belastungen frühzeitig erkannt und schweren Erkrankungen vorgebeugt werden kann.
Der BÖP stellt seine hohe gesundheitspsychologische Expertise in der Förderung psychischer Gesundheit und der Prävention psychischer Belastungen und Störungen jederzeit gerne zur Verfügung. Denn von einer gerechten Aufteilung der Care-Arbeit sind wir in Österreich meilenweit entfernt.
