Österreichische Akademie für Psychologen | ÖAP

„Psychologie im Gespräch“: Umweltpsychologie als Lösungswissenschaft

29.05.2026 | Veranstaltungen

Wie Menschen trotz Klimakrise handlungsfähig bleiben können und warum psychologisches Wissen dabei eine Schlüsselrolle spielt, diskutierten Expert:innen am 28. Mai 2026 bei der Veranstaltung „Vom Wissen zum Handeln – Umweltpsychologie als Lösungswissenschaft“. Der Abend war Teil der Veranstaltungsreihe „Psychologie im Gespräch" des Berufsverbands Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP). Hunderte Interessierte verfolgten die Veranstaltung vor Ort in Wien oder online und diskutierten mit.

Psychologie als unverzichtbare Stimme im Klimadiskurs

Mag.a Christina M. Beran, BÖP-Vizepräsidentin, eröffnete den Abend mit einer klaren Positionierung: Klimafragen werden zu oft ausschließlich politisch und wirtschaftlich diskutiert – dabei sind sie zutiefst psychologisch. „Unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit hängen von der Umwelt ab. Wie kann man annehmen, dass es den Menschen gut geht, wenn es der Umwelt nicht gut geht?" Gesellschaftliche Veränderungen entstehen nicht allein durch Information. Dafür brauche es die Psychologie. „Die Psychologie ist ein Feld, in dem wir wissenschaftlich basierte Antworten und Lösungen haben", betonte Beran.

BÖP/Leonardo Ramirez Castillo

BÖP/Leonardo Ramirez Castillo

Von links nach rechts: Dr.in Renate Cervinka, Mag. Tobias Schabetsberger, Mag.a Dr.in Ruperta Lichtenecker, Mag.a Christina M. Beran, Univ.-Prof. Dipl.-Psych. Sabine Pahl, Moderation

Klimawandel ganzheitlich denken

Im Impulsvortrag spannte Mag. Tobias Schabetsberger, Leiter der BÖP-Fachsektion Umweltpsychologie, den Bogen zwischen Umwelt und menschlicher Psyche. „Klimawandel ist ein Problem, das wir ganzheitlich angehen müssen", sagte er und untermauerte das mit konkreten Beispielen: Hitze führt zu Konzentrationsstörungen, Aggressivität und mehr Notaufnahmen; die psychischen Folgen von Katastrophen wie Überschwemmungen zeigen sich oft erst Monate später, etwa in Form von Alkoholmissbrauch oder psychiatrischen Krisen. Gleichzeitig gehen viele Klimaschutzmaßnahmen direkt mit Gesundheitsgewinnen einher, etwa wenn weniger tierische Produkte konsumiert werden oder man statt dem Auto das Fahrrad nimmt.

Schabetsberger warnte außerdem vor einem psychologischen Mechanismus, der Handlungsfähigkeit untergräbt: „Wenn wir viele schlechte Nachrichten hören, macht das Gehirn zu." Sein Gegenmittel: Angstauslösende Botschaften immer mit einem positiven Handlungsanker verknüpfen. „So kommen wir nicht in die Hilflosigkeit."

Psychologische Lösungen für ein komplexes System

Dr.in Renate Cervinka, Expertin für Umweltpsychologie, betonte: „Es ist wichtig, Strukturen zu schaffen, die Menschen zu klimafreundlichen Verhalten anleiten." Gegen Ohnmacht helfe es, konkrete Handlungswege zu sehen und sich zu fragen: „Wo kann ich etwas beitragen?" Aber auch das Loslassen gehöre dazu – sich mit etwas Natürlichem verbinden, etwa bei der Gartenarbeit.

Mag.a Dr.in Ruperta Lichtenecker von der Gesundheit Österreich GmbH lenkte den Blick auf konkrete Handlungsfelder: von Ökostrom bis hin zur Klimaneutralität von Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Ihr Leitsatz: „Ein gesunder Mensch braucht eine gesunde Umwelt."

BÖP/Leonardo Ramirez Castillo

Interdisziplinarität als Schlüssel

Univ.-Prof. Dipl.-Psych. Sabine Pahl, Professorin für Stadt- und Umweltpsychologie an der Universität Wien, plädierte eindringlich für einen systemischen Blick und fächerübergreifende Zusammenarbeit: „Wenn die Psychologie das allein angehen will, wird sie nicht so weit kommen." Die Komplexität des Systems überfordere zudem viele Menschen. „Viele wissen gar nicht, wo sie anfangen sollen. Die Psychologie kann Menschen dabei helfen, mit dieser Komplexität umzugehen."

Umweltpsychologie wirkt

Der Abend zeigte: Umweltpsychologie liefert wichtige Werkzeuge, um Menschen aus der Lähmung in die Handlungsfähigkeit zu bringen – auf individueller wie auf gesellschaftlicher Ebene.

Der BÖP engagiert sich in diesem Bereich mit regelmäßigen Fortbildungen, Veranstaltungen, Medienbeiträgen und einer gemeinsamen repräsentativen Erhebung mit der Universität Wien.

Wir bedanken uns bei allen Podiumsteilnehmenden und Interessierten für den erkenntnisreichen Abend.