Österreichische Akademie für Psychologen | ÖAP

54.000 arbeitsbedingte psychische Neuerkrankungen: BÖP tritt für stärkere Prävention am Arbeitsplatz ein

16.10.2026 | Öffentlichkeitsarbeit

Gesetzliche Änderungen als Grundlage für eine wirksame betriebliche Prävention

Mehr als 54.000 arbeitsbedingte psychische Neuerkrankungen und Kosten in Milliardenhöhe – das zeigt eine diese Woche veröffentlichte Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) im Auftrag der Arbeiterkammer. Für den Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) ist das ein klares Signal: Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz braucht eine stärkere gesetzliche Verankerung und wirksame Prävention.

12,4 Milliarden Euro Folgekosten

Laut der Studie wurden für das Jahr 2023 mehr als 54.000 arbeitsbedingte psychische Neuerkrankungen wie Depressionen und Angststörungen gezählt. Die Folgekosten arbeitsbedingter Erkrankungen insgesamt belaufen sich laut WIFO auf 12,4 Milliarden Euro und reichen damit weit über unmittelbare Behandlungskosten hinaus: Produktivitätsverluste, Fehlzeiten und langfristige gesundheitliche Folgen belasten Beschäftigte ebenso wie Unternehmen und das Sozialsystem. Besonders ins Gewicht fallen dabei die langen Krankenstände: Laut Fehlzeitenreport 2026 führen psychische Erkrankungen mit durchschnittlich rund 37 Krankenstandstage zu besonders langen Abwesenheiten.

Prävention muss bei den Arbeitsbedingungen ansetzen

„Die aktuellen Zahlen zeigen deutlich, dass man nicht erst handeln sollte, wenn Menschen bereits erkrankt sind. Psychische Gesundheit beginnt mit Prävention“, betont BÖP-Präsidentin a.o. Univ.-Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger.

Der BÖP unterstützt daher die Forderungen der Arbeiterkammer nach einer gesetzlichen Verankerung von Arbeits- und Organisationspsycholog:innen als Präventivfachkräfte im Arbeitnehmer:innenschutzgesetz. Und spricht sich andererseits für eine berufsrechtliche Verankerung der Arbeits- und Organisationspsychologie im Psychologengesetz aus.

Arbeits- und Organisationspsycholog:innen erkennen und beurteilen psychische Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz, leiten konkrete Maßnahmen ab und überprüfen deren Wirksamkeit. Auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse und evidenzbasierter Methoden fördern sie gesunde Arbeitsbedingungen, Motivation und Leistungsfähigkeit und tragen dazu bei, Fehlzeiten zu verringern. Davon profitieren Beschäftigte und Unternehmen gleichermaßen.

„Wer arbeitsbedingte Erkrankungen nachhaltig reduzieren will, muss bei den Ursachen ansetzen. Arbeitspsychologische Expertise muss daher dort eingesetzt werden können, wo Belastungen entstehen – bevor daraus Erkrankungen werden“, so BÖP-Präsidentin a.o. Univ.-Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger.