Österreichische Akademie für Psychologen | ÖAP

Klinisch-Psychologische Behandlung auf Krankenschein

900.000 Menschen in Österreich nahmen im Jahr 2009 das Gesundheitssystem wegen psychischer Erkrankungen in Anspruch, 70.000 wurden stationär aufgenommen. Dies ist eines der zentralen Ergebnisse der "Analyse der Versorgung psychisch Erkrankter" des Hauptverbandes Österreichischer Sozialversicherungsträger aus dem Jahr 2011. Gegenwärtig ist nur die klinisch-psychologische Diagnostik, nicht jedoch die klinisch-psychologische Behandlung im Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz verankert. Dies führt zu Lücken im Versorgungssystem.

Vorteile der klinisch-psychologischen Behandlung

Wissenschaftliche Fundierung

Die Grundlagen der klinisch-psychologischen Behandlung sind profunde Kenntnisse über wissenschaftliches Arbeiten und umfassendes psychologisches Wissen, erworben durch ein abgeschlossenes Studium der Psychologie eine postgraduale Ausbildung.

Zielorientierung

Klinisch-psychologische Behandlung setzt konkret an der jeweils diagnostizierten Störung an, folgt einem Behandlungsplan und hat ein definiertes Ziel, dessen Erreichen mithilfe klinisch-psychologischer Evaluation überprüft werden kann.

Methodenübergreifender Zugang

Klinisch-psychologische Behandlung umfasst eine Vielzahl an verschiedenen wissenschaftlich abgesicherten psychologischen Interventionsformen. Sie basiert auf der gesamten Breite der empirischen Psychologie, sodass dadurch alle möglichen Anwendungsbereiche mit einbezogen werden. Damit wird sie den unterschiedlichen Anforderungen gerecht, die sich durch die Komplexität der Störungen und die Individualität der PatientInnen ergeben. Durch den methodenübergreifenden Zugang ist die dem Einzelfall adäquate, bestmögliche Intervention gewährleistet.

Effizienz

Klinisch-psychologische Behandlung ist effizient - bei leichteren Erkrankungen sind zumeist 10 bis 30 Behandlungseinheiten ausreichend, um befriedigende Erfolge zu erreichen. Wie in der somatischen Medizin, benötigt ein kleinerer Teil der PatientInnen längere Behandlungen, insbesondere bei chronischen psychischen Störungen oder neuropsychologischen Problemen.

Mulitdisziplinarität und Multiprofessionalität

Die klinisch-psychologische Behandlung findet multidisziplinär in enger Zusammenarbeit mit ÄrztInnen und den anderen Gesundheitsberufen, wie etwa PsychotherapeutInnen und ErgotherapeutInnen statt.

Versorgungsorientierung

In der konzeptuellen Breite ist die klinisch-psychologische Behandlung mit der psychiatrischen Behandlung, die auf Medizinstudium und fachärztlicher Ausbildung basiert, durchaus vergleichbar. Das umfassende und versorgungsorientierte Interventionskonzept der klinisch-psychologischen Behandlung entspricht dem heutigen Qualitätsbegriff der Gesundheitsversorgung.

Schließen der Versorgungslücke

Versorgungsgerechtigkeit durch Aufnahme klinisch-psychologischer Behandlung in die Regelversorgung

Die schlechte Versorgungslage der ÖsterreicherInnen hinsichtlich einer leistbaren, allgemein leicht zugänglichen klinisch-psychologischen Behandlung, lässt vermuten, dass zahlreiche der jährlich 70.000 stationären Aufenthalte aufgrund psychischer Diagnosen durch adäquate und niederschwellige klinisch-psychologische Behandlung vermeidbar  wären.

Durch die Einführung der Leistung "klinisch-psychologische Behandlung" in die Regelversorgung sollen andere bestehende Leistungen nicht ersetzt werden, sondern hinsichtlich Versorgungsgerechtigkeit, state of the art-Behandlung und Kosteneffizienz ergänzt werden. Studien zeigen, dass kooperative Versorgung (Collaborative Care) einen höheren Gesundheitsgewinn bei niedrigeren Kosten, als die übliche "isolierte" Versorgung bringt.

Einsparungspotiential durch klinisch-psychologische Behandlung

Selbst wenn durch die Erstattung klinisch-psychologischer Leistungen und der dadurch verursachten Einsparung bei den Psychopharmakaausgaben Kostenneutralität resultieren sollte, sind Minderausgaben infolge der besseren Langzeitwirkungen zu erwarten. Dadurch wird es langfristig zu Einsparungen an direkten Kosten kommen. Der ausschließliche Blick auf direkte medizinische Ausgaben vernachlässigt 70% der Kosten, die das System als indirekte Kosten belasten.

Nebenwirkungsfreiheit

Im Gegensatz zu Psychopharmaka, gibt es bei der klinisch-psychologischen Behandlung keine Nebenwirkungen, die das Budget versteckt zusätzlich belasten. Dies erscheint  insbesondere in Hinblick auf die in klinischen Studien nicht untersuchten Effekte der pharmakologischen Kombinationstherapien relevant, die in der Praxis sehr gebräuchlich sind.

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