Österreichische Akademie für Psychologen | ÖAP

AUS – Achtsamer Umgang mit Suchtmitteln

Beschreibung: Unser betriebliches Suchtpräventionsprogramm setzt auf Offenheit, Sensibilisierung und frühzeitige Unterstützung. Gleichzeitig geben wir Führungskräften Orientierung und Handlungssicherheit im Umgang mit betroffenen oder gefährdeten Mitarbeiter:innen.

Problemstellung/ Ausgangslage: Sucht oder problematischer Substanzkonsum entwickelt sich häufig schleichend und bleibt nicht selten lange unbemerkt. Als Gesundheitsmanagement eines Großunternehmens tragen wir hier eine besondere Verantwortung für die Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter:innen. Schätzungen österreichischer Sozialversicherungen zufolge ereignen sich nämlich 8 bis 25 Prozent aller Arbeitsunfälle in Österreich unter dem Einfluss von Alkohol oder anderen psychoaktiven Substanzen. Beispielsweise können bereits geringe Mengen Alkohol die Risikobereitschaft erhöhen und die Unfallgefahr steigern. Dies stellt insbesondere im industriellen Umfeld ein hohes Sicherheitsrisiko dar.
Darüber hinaus betreffen die Auswirkungen problematischen Substanzkonsums nicht nur die betroffenen Personen selbst, sondern auch ihr Arbeitsumfeld. Kolleg:innen müssen häufig Leistungsausfälle kompensieren oder geraten in die Rolle, problematisches Verhalten zu decken, was coabhängige Dynamiken begünstigen kann.
Unternehmen kommt daher eine zentrale Rolle in der Prävention und Früherkennung zu. Durch einen offenen und enttabuisierten Umgang können Auffälligkeiten im Arbeitsumfeld früh erkannt, angemessen thematisiert und Hilfsangebote leichter in Anspruch genommen werden.
Fachleute berichten zudem, dass Angehörige und Freund:innen oftmals bereits über längere Zeit erfolglos versuchen Betroffenen zu helfen, während ein klares und wertschätzendes Handeln seitens des Arbeitgebers dann vielfach den entscheidenden Impuls für eine Veränderung gibt.
Genau hier setzt unser AUS-Programm an. Ziel ist es, betroffene Mitarbeiter:innen zu unterstützen und sie auf ihrem Weg zurück in ein suchtfreies Leben zu begleiten. Gleichzeitig werden Führungskräfte dabei unterstützt, Auffälligkeiten wahrzunehmen und angemessen, professionell und lösungsorientiert zu handeln.

Wissenschaftlicher Hintergrund: Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass problematischer Alkohol- und Suchtmittelkonsum erhebliche Auswirkungen auf Gesundheit, Sicherheit und Produktivität hat. In Österreich ist Alkoholabhängigkeit die häufigste Suchterkrankung, rund 5 bis 10 Prozent der Beschäftigten weisen einen problematischen Konsum auf oder sind bereits abhängig. Die Folgen zeigen sich typischerweise in Konzentrationsmängeln, Leistungsabfall, erhöhten Fehlzeiten und einem gesteigerten Unfallrisiko. Neben den persönlichen Belastungen entstehen auch hohe volkswirtschaftliche Kosten, da beispielsweise alkoholabhängige Personen durchschnittlich um 25 % weniger leistungsfähig sind. Das Institut für Höhere Studien bezifferte die Produktivitätsverluste durch Fehlzeiten, Frühpensionierungen und suchtbedingte Sterblichkeit in Österreich auf rund 441,7 Millionen Euro pro Jahr. Die daraus entstehenden menschlichen, organisatorischen und wirtschaftlichen Belastungen stellen die Gesellschaft und Wirtschaft vor große Herausforderungen.

Zielgruppe und Ziele der Maßnahme: Die Maßnahme richtet sich an alle Mitarbeiter:innen sowie Führungskräfte des Unternehmens. Ziel ist es, das Tabuthema Sucht zu entstigmatisieren und einen offenen sowie verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema zu fördern. Gleichzeitig werden Wissen über die Wirkung und Risiken psychoaktiver Substanzen sowie die Sensibilität für problematische Konsummuster gestärkt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Vorbeugung von riskantem Konsumverhalten. Führungskräfte werden dabei unterstützt, Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen und angemessen zu handeln. Durch rechtzeitige Interventionen sollen suchtbedingte Ausfälle reduziert und Kündigungen möglichst vermieden werden. Die Maßnahme trägt zum Erhalt von Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Beschäftigungsfähigkeit bei. Darüber hinaus soll die Arbeitssicherheit erhöht und eine betriebliche Kultur der Punktnüchternheit nachhaltig gestärkt werden.

Inhalt/Methode: Das betriebliche Suchtpräventionsprogramm AUS – Achtsamer Umgang mit Suchtmitteln ist ein dauerhaftes Programm und kein zeitlich begrenztes Projekt. Es wurde 2024 als Schwerpunkt des Gesundheitsmanagements etabliert und langfristig im Unternehmen verankert. Die Umsetzung erfolgte in fachlicher Kooperation mit dem Institut Suchtprävention der pro mente OÖ.

Das Programm umfasst Sensibilisierungs- und Informationsmaßnahmen zu Risiken von substanzbezogenen psychoaktiven Substanzen, wie beispielsweise Alkohol, Medikamenten oder illegalen Suchtmitteln. Ergänzend werden klare betriebliche Regelungen zum Konsum und Umgang mit Suchtmitteln kommuniziert. Führungskräfte erhalten Orientierung und Handlungssicherheit für den Umgang mit auffälligen Situationen und möglichen Suchtgefährdungen. Betroffene oder gefährdete Mitarbeiter:innen werden frühzeitig unterstützt und bei Bedarf an geeignete Hilfsangebote vermittelt. Im Mittelpunkt steht die Unterstützung betroffener Mitarbeitender, damit sie ihren Arbeitsplatz erhalten können. Gemeinsam werden konkrete Schritte und Vereinbarungen erarbeitet, die den Ausstieg aus dem Suchtverhalten begleiten und eine positive Zukunftsperspektive schaffen.

Zudem regelt die Betriebsvereinbarung das Vorgehen bei Beeinträchtigungen der Arbeitssicherheit und den Umgang mit Verdachtsfällen. Durch diese Maßnahmen werden Gesundheitsschutz, Rechtssicherheit, Arbeitssicherheit und eine nachhaltige Präventionskultur im Unternehmen gefördert.

Beginn/ Laufzeit/ Abschluss des Projekts: Projektbeginn Jänner 2024 - Schwerpunktveranstaltungen 2024/25 - Veröffentlichung der neuen Betriebsvereinbarung 2025 - Laufende Umsetzung (Insbesondere der Führungskräfteschulungen)

Bisherige Erfolge/ Meilensteine:
Neuauflage der Betriebsvereinbarung

Die bestehende Betriebsvereinbarung und der Stufenplan für den Umgang mit suchtgefährdeten bzw. betroffenen Mitarbeiter:innen wurden umfassend überarbeitet und auf einen zeitgemäßen Stand gebracht. Dadurch wurden Zuständigkeiten, Vorgehensweisen und Maßnahmen verbindlich geregelt.

Führungskräfteschulungen
Im Rahmen des Programms wurden bereits mehrere hundert Führungskräfte im Umgang mit suchtgefährdeten und betroffenen Mitarbeiter:innen geschult. Die Schulungen stärken die Handlungssicherheit bei Früherkennung, Gesprächsführung und Intervention. Die Schulungen werden vom Institut Suchtprävention der pro mente OÖ im Unternehmen durchgeführt.

Information und Kommunikation
Mitarbeiter:innen wurden durch gezielte Aussendungen und Informationsmaßnahmen über die neue Betriebsvereinbarung sowie das Programm AUS – Achtsamer Umgang mit Suchtmitteln informiert.

Präventionswoche im Betrieb
Im Rahmen einer betrieblichen Präventionswoche wurde das Thema Suchtprävention durch verschiedene interaktive Stationen sichtbar gemacht. Dazu zählten unter anderem alkoholfreie Cocktails, Rauschsimulationsbrillen, Selbsttests zum Alkoholkonsum, ein Wissensquiz sowie Möglichkeiten zum fachlichen Austausch.

Plakatkampagne und Screen-Animationen
Zur nachhaltigen Sensibilisierung wurden gemeinsam mit einer Werbeagentur eine Plakatkampagne sowie digitale Screen-Animationen entwickelt und unternehmensweit ausgespielt.

Online-Tutorial für Mitarbeiter:innen
Ein interaktives Online-Tutorial vermittelt Grundlagen zum Thema Alkohol und Suchtprävention. Behandelt werden unter anderem gesundheitliche Risiken von Alkoholkonsum sowie der angemessene Umgang mit Verdachtsfällen im Kolleg:innenkreis.

Fragebogen zur Eigenüberprüfung
Im Rahmen des Drive-In-Checks (Ärztliche Untersuchung im Unternehmen) wurde ein Fragebogen zur persönlichen Reflexion des Alkoholkonsums angeboten. Dadurch erhielten Mitarbeiter:innen die Möglichkeit, ihr eigenes Konsumverhalten anonym einzuschätzen.

Schwerpunkt im Newsletter „Thema des Monats“
Das Thema Alkohol und Suchtprävention wurde im internen Newsletter aufgegriffen und für alle Mitarbeiter:innen mit fachlichen Informationen und Praxistipps aufbereitet.

Gesundheitskabarett mit Ingo Vogl
Mit einem Gesundheitskabarett wurde das Thema auf niederschwellige und humorvolle Weise vermittelt. Die Veranstaltung förderte Aufmerksamkeit, Reflexion und den offenen Dialog zum Umgang mit Suchtmitteln. Für alle Kolleg:innen die nicht persönlich teilnehmen konnten wurde die Veranstaltung aufgezeichnet und im Intranet zur Verfügung gestellt.

Roll-out an internationalen Standorten
Ausgewählte Maßnahmen des Programms AUS, insbesondere die Plakatkampagne und Sensibilisierungsaktivitäten, wurden auch an anderen nationalen und internationalen Standorten übernommen. Dies unterstützt eine unternehmensweite Verankerung der betrieblichen Suchtprävention und fördert ein gemeinsames Verständnis für Gesundheit und Arbeitssicherheit.

Einreichende Organisation/ Person: Katharina Kastner, BSc. MSc., in Kooperation mit dem Institut Suchtprävention Pro Mente OOE