Österreichische Akademie für Psychologen | ÖAP

Body Project Austria

Beschreibung: Im Projekt BODY PROJECT AUSTRIA wird das in den USA von einem Forscher*innenteam um Prof. Dr. Eric Stice entwickelte Präventionsprogramm "The Body Project" für Österreich kulturell adaptiert und in drei Bundesländern implementiert. In zahlreichen wissenschaftlichen Studien weltweit führte "The Body Project" zu einer signifikanten Verbesserung der Körperzufriedenheit und Reduktion des Risikos für Essstörungen. BODY PROJECT AUSTRIA richtet sich derzeit insbesondere an Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren, die sich in einer Reihe von vier interaktiven Workshopeinheiten mit Schönheitsidealen, Körperbildern und Selbstakzeptanz auseinandersetzen und dabei lernen, besser mit dem soziokulturellen Druck, einem bestimmten Schönheitsideal zu entsprechen, umzugehen.

Problemstellung/ Ausgangslage: Viele Jugendliche fühlen sich unter Druck, einem durch Massenmedien vermittelten Schönheitsideal zu entsprechen, was sich negativ auf die Körperzufriedenheit auswirkt. In internationalen Studien haben zwischen 19.5% und 77% der Befragten ein negatives Körperselbstbild - insbesondere bei Mädchen und (jungen) Frauen ist Körperunzufriedenheit häufig (Sathgare et al., 2019). Körperunzufriedenheit hängt wiederum mit depressiven Symptomen (Mental Health Foundation, 2019; Stice & Bearman, 2001), niedrigem Selbstwert (Paxton et al., 2006) und Suizidgedanken (Brausch & Muehlenkamp, 2007; Rodriguez-Cano et al., 2006) zusammen und erhöht das Risiko für Essstörungen (Stice, 1994, 2001). The Body Project ist das bisher einzige Präventionsprogramm, für das in mehreren qualitativ hochwertigen Studien, die von unabhängigen Forschungsgruppen durchgeführt wurden, eine signifikante Verringerung des späteren Auftretens von Essstörungen (2 Jahre nach Teilnahme an The Body Project) nachweisen konnte.

Wissenschaftlicher Hintergrund: The Body Project ist eine dissonanzbasierte Gruppenintervention zur Körperakzeptanz, die von einer Forscher*innengruppe der Stanford University, dem Oregon Research Intitute und der University of Texas at Austin entwickelt und ständig weiterentwickelt wurde. Die Intervention basiert auf einem 16-jährigen Forschungsprozess zu Risikofaktoren von Essstörungen. Ursprünglich wurde die Intervention für junge Frauen mit einem erhöhten Risiko entwickelt, die Wirksamkeit konnte jedoch auch für Burschen, Männer und nicht-binäre Personen gezeigt werden. The Body Project wurde bereits mehr als 8 Millionen Menschen in mehr als 140 Ländern angeboten. Die Interventionstheorie wurde in verschiedenen Studien überprüft. Es gibt starke Belege für die Reduktion der Verinnerlichung des Schlankheitsideals (Stice, Marti et al., 2008), die Reduktion von Körperunzufriedenheit (Stice, Marti et al., 2008; Stice, Becker et al., 2013), die Förderung einer positiven Körperwahrnehmung (Guest et al., 2022), die Reduktion von Symptomen von Essstörungen und eine rund 77-prozentige Verringerung des Auftretens einer Essstörung im Zeitraum von zwei Jahren (Ghaderi et al., 2020).

Zielgruppe und Ziele der Maßnahme: Hauptzielgruppe von BODY PROJECT AUSTRIA sind derzeit Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren sowohl im schulischen als auch außerschulischen Kontext. Derzeit wird die Intervention in Wien, Oberösterreich und Tirol umgesetzt. Ziel des Pilotprojekts ist die partizipative Übertragung der Intervention und der Implementierungsstrategien für Jugendliche in Österreich. BODY PROJECT AUSTRIA ist ein Gesundheitsförderungs- und Präventionsprogramm und kann bei einer bestehenden Essstörung nicht eine spezialisierte Therapie ersetzen.

Inhalt/Methode: BODY PROJEKT AUSTRIA ist ein Präventionsprogramm, das in vier wöchentlichen Workshopeinheiten zu 60 Minuten durchgeführt wird. Die Gruppen aus idealerweise 8-12 Personen werden durch eine*n Moderator*in und eine*n (Peer) Co-Moderator*in angeleitet. Durch mündliche, schriftliche und verhaltensbezogene Übungen, in denen das Schönheitsideal hinterfragt wird, zielt die Intervention darauf ab, bei den Teilnehmer*innen kognitive Dissonanz zu erzeugen. Es werden Körperakzeptanz-Übungen, interaktive Diskussionen und Rollenspiele, um Aussagen zum Schönheitsideal zu widerstehen, eingesetzt. Zwischen den vier Workshopeinheiten erhalten die Teilnehmer*innen Übungen für zu Hause. Die Intervention setzt auf freiwillige aktive Beteiligung bei den Workshopeinheiten und den Übungen für zu Hause, mündlicher Austausch.

Webseite: https://queraum.org/node/286

Beginn/ Laufzeit/ Abschluss des Projekts: 1.1.2025 - 31.12.2026

Bisherige Erfolge/ Meilensteine: Die bisherigen Erfolge und Meilensteine umfassen: Training mit Prof. Dr. Eric Stice, Übersetzung des Handbuchs und der Übungsanleitungen auf Deutsch, Einholen des Votums einer Ethikkommission, Erarbeitung von Implementierungsstrategien für 15-18 Jährige in Österreich, Pilotimplementierung (bisher 21 Body Project Austria Gruppen mit 196 Teilnehmer*innen), Evaluation der Wirksamkeit, Entwicklung eines Trainings- und Qualitätssicherungskonzepts zur Skalierung. Zur Dissemination wurde eine Stakeholderbegleitgruppe (gemeinsam mit YOUareART) eingerichtet, eine Body Project Austria Community of Practice gegründet sowie ein Newsletter installiert.

Einreichende Organisation/ Person: Prof.(FH) Mag. Dr. Karin Waldherr/ Institut für Gesundheitswissenschaften, Ferdinand Porsche FERNFH in Kooperation mit ueraum. kultur- und sozialforschung, Wien; Ferdinand Porsche FERNFH, Wiener Neustadt; Institut für Frauen- und Männergesundheit, Wien; Institut Suchtprävention, pro mente Oberösterreich; Netzwerk Essstörungen, Innsbruck; gefördert wird das Projekt aus Mitteln der Agenda Gesundheitsförderung und des Fonds Gesundes Österreich

Weiterführende/ergänzende Links zur Maßnahme: https://bodyprojectinfo.org/