Österreichische Akademie für Psychologen | ÖAP

Jede*r braucht mal Hilfe!

Beschreibung: Psychische Gesundheit darf kein Tabuthema sein. Mit „Jede*r braucht mal Hilfe“ stärken wir Kinder und Jugendliche frühzeitig, bevor Belastungen zu ernsthaften Problemen werden.

In interaktiven Workshops in Schulen mit Psychoedukation, Gruppenarbeiten, Rollenspielen sowie Übungen zur Emotionsregulation werden Kinder und Jugendliche, Bezugspersonen sowie Fachkräfte dabei unterstützt, psychische Belastungen frühzeitig zu erkennen und im Alltag wirksam damit umzugehen. So schaffen wir ein soziales und schulisches Umfeld, das Resilienz fördert und junge Menschen stark fürs Leben macht.

Problemstellung/ Ausgangslage: Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Österreich hat sich in den vergangenen Jahren verschlechtert und die Covid-19 Pandemie hat diese nicht ausgelöst, sondern die vorhandenen Belastungen verstärkt. Aus dem Mental-Health-Bericht 2025 geht hervor, dass es nur 7% der 14bis25Jährigen "gut" geht, während 63% sich gestresst, traurig bzw. negativ belastet fühlen. Psychische Erkrankungen gehören zu den häufigsten gesundheitlichen Belastungen im Jugendalter, insbesondere Angststörungen, Depressionen und ADHS. Die Hospitalisierung im Kontext depressiver Episoden bei jungen Erwachsenen unter 19 Jahren hat sich zwischen 2002 und 2022 vervierfacht. Aktuelle Studien zeigen zudem, dass einige der Jugendlichen auch Gedanken an Selbstverletzungen und Suizid haben. Vulnerable Zielgruppe, die aufgrund Ihrer Geschlechtsidentität sowie migrantischer Zuschreibungen sind besonders stark psychisch belastet, die Untersuchungen zur Auswirkung von Diskriminierungserfahrungen auf die psychische Gesundheit zeigt hier eindeutige Verbindungen. Risikofaktoren sind weiterhin Einsamkeit, Leistungsdruck, soziale Medien, Zukunftsängste und traumatische Erfahrungen. Zur Stärkung der psychischen Gesundheit trägt ein unterstützendes soziales Umfeld, sowie Zugehörigkeit und Fähigkeiten zur Emotionsregulation bei.

Wissenschaftlicher Hintergrund: Wissenschaftlicher Kontext ist, dass psychische Gesundheit durch ein Zusammenspiel biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren entsteht. Epidemiologische Studien zeigen zunächst, wie häufig psychische Erkrankungen auftreten, während Public-Health- und psychosoziale Studien untersuchen, welche Belastungs- und Schutzfaktoren damit verbunden sind. Diese beiden Perspektiven zeigen, dass psychische Belastungen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ein relevantes gesellschaftliches und gesundheitspolitisches Thema (Problem) darstellen. Literatur: (MHAT Studie, Public Mental Health, Studien zu Covid-19 (COPSY), Geschlechts- und Diversitätsforschung)

Zielgruppe und Ziele der Maßnahme: Das Ziel ist psychischen Erkrankungen bei/mit Kindern und Jugendlichen durch Information und Psychoedukation aller Beteiligten im Umfeld Schule/Ausbildung vorzubeugen. Ein gemeinsames Verständnis für die Bedeutung psychischer Gesundheit sowie der Abbau von Hemmschwellen, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen, soll auf- und abgebaut werden. Gleichzeitig wird Offenheit im Umgang mit psychischen Belastungen gestärkt. Es entsteht die Grundlage für einen unterstützenden Schulalltag, der auf individuelle psychische Herausforderungen Rücksicht nimmt und Genesung bzw. Stabilisierung fördert. Das Projekt richtet sich an drei zentrale Zielgruppen, die aufeinander abgestimmte Workshop-Formate durchlaufen. Durch die Einbeziehung aller relevanten Akteur*innen im Umfeld, werden Wissen, Sensibilisierung und Haltung gestärkt. Im ersten Schritt wird mit den Fachkräften, im zweiten Schritt auch mit den Eltern/Erziehungsberechtigten gearbeitet. Zuletzt wird in Workshops mit den Kindern und Jugendlichen gearbeitet.

Inhalt/ Methode: Mit den Fachkräften wird in vierstündigen Workshops gearbeitet und die Beziehung zu den Kindern und Jugendlichen bildet den Fokus. Inhalte sind Entstehung psychischer Gesundheit (Bio-psycho-soziales Modell, häufige Belastungen etc.), psychische Erkrankungen (Diagnosen, Umgang ...) sowie Handlungsmöglichkeiten, interaktiv und mit Gruppen- und Selbstreflexionseinheiten. Der Abend für Eltern/Erziehungsberechtigte dauert 2 Stunden und diese erhalten Informationen zu Belastungen im Kinder- und Jugendaltern, Schutzfaktoren und Informationen zu niederschwelligen Anlaufstellen. Offener Austausch in der Gruppe wird angeboten, sofern für alle Beteiligten möglich. Mit Kindern und Jugendlich wird ebenfalls in vierstündigen Workshopformaten gearbeitet, bestehend aus der Entstehung psychischer Gesundheit mit Übungen (eigene Waage, Vibe-Check, Plenumsdiskussion, Bewegungsübungen) und Bewältigungsstrategien, in weiteren Schritten zu Selbstregulation (Klein- und Großmachen), Emotionen, Pantomime ausgewählter Gefühle, sowie werden niederschwellige Unterstützungsangebote vorgestellt. Zum Abbau der Hemmschwellen werden auch Übungen mit den Kindern und Jugendlichen zur Hilfeholung durchgeführt (Rollenspiele). In den Workshops der Schüler*innen wechselt sich so jeder inhaltliche Input mit einer Übung zum selbstständigen Ausprobieren oder mit einer Diskussion oder Erarbeitung im Plenum ab. Von der 5. bis zur 8. Schulstufe überwiegen spielerische Übungen. Von der 9. bis zur 11. Schulstufe rückt neben Übungen die Selbstreflexion in den Fokus. In allen Schüler*innen-Workshops werden Übungen im Anschluss gemeinsam reflektiert. Dabei wird darauf geachtet, dass niemand zum Teilen der eigenen Eindrücke gezwungen wird. Die Beispiele orientieren sich stets an schulalltagsnahen Situationen.

Webseite: www.die-moewe.at

Beginn/ Laufzeit/ Abschluss des Projekts: Beginn der Maßnahme: Sommersemester 2026. Die Maßnahme soll dauerhaft im Angebotspool der möwe eingebettet werden. Ein Abschluss ist in diesem Sinne nicht geplant, aber eine Evaluierung der Maßnahme soll jährlich erfolgen.

Bisherige Erfolge/ Meilensteine: Bis dato konnten aufgrund fehlender Finanzierung keine Workshopformate für Fachkräfte (Pädagog*innen) sowie Eltern/Erziehungsberechtigte-Abende angeboten werden.

Umgesetzt wurde:

bis März 2026: Konzepterstellung und Vertiefung

März/April 2026: Einreichung des Workshopformates bei unterschiedlichen Fördergeber*innen (OEAD GmbH)

April 2026: Zuspruch der Förderung für die WS mit Kindern und Jugendlichen

März bis Juli 2026: Erste Workshopformate mit Kindern und Jugendlichen

August/September 2026: Erste Evaluierung des Konzeptes/der Workshops (Fokus Kinder und Jugendliche)

Einreichende Organisation/ Person: Mag. Hedwig Wölfl/ die möwe Kinderschutz gGmbH in Kooperation mit Volks- und Mittelschulten, AHS Unter- und Oberstufen, Berufsbildende Höhere Schulen (mit und ohne Matura)