Gesundheitspsychologie-Plattform
Von der persönlichen Krankheitsgeschichte zur gesundheitspsychologischen Best-Practice-Maßnahme für Resilienz, Gesundheitskompetenz und Teilhabe.
Beschreibung: „Trotzdem – Einzigartigkeit will gelebt werden“ ist eine gesundheitspsychologische Bildungs- und Sensibilisierungsmaßnahme, die persönliche Erfahrung, wissenschaftlich fundierte Gesundheitspsychologie und innovative Kommunikationstechnologie miteinander verbindet. Ziel ist es, psychische Ressourcen sichtbar zu machen, Resilienz zu stärken und einen gesundheitsförderlichen Umgang mit schwerer Erkrankung und Behinderung zu vermitteln. Die autobiografische Erfahrung nach einem Locked-in-Syndrom dient als Ausgangspunkt, um gesundheitspsychologische Prozesse der Krankheitsbewältigung, Resilienz, Selbstwirksamkeit, Sinnorientierung und Ressourcenaktivierung wissenschaftlich fundiert und praxisnah zu vermitteln und damit ein übertragbares Best-Practice-Beispiel zu schaffen, das Gesundheitskompetenz stärkt sowie einen ressourcenorientierten Umgang mit Krankheit, Behinderung und Lebenskrisen fördert.
Problemstellung/ Ausgangslage: Schwere neurologische Erkrankungen führen häufig zu tiefgreifenden körperlichen, psychischen und sozialen Veränderungen. Neben funktionellen Einschränkungen stellen insbesondere der Verlust von Selbstständigkeit, eingeschränkte Kommunikation und Veränderungen der eigenen Identität erhebliche Belastungen dar. Diese Faktoren können sich negativ auf das psychische Wohlbefinden, die Krankheitsbewältigung und die gesellschaftliche Teilhabe auswirken. Gleichzeitig konzentriert sich die Versorgung häufig auf medizinische Aspekte, während gesundheitspsychologische Ressourcen wie Resilienz, Sinnfindung, Selbstwirksamkeit und soziale Unterstützung weniger sichtbar sind. Menschen mit schweren Sprechbeeinträchtigungen erleben zusätzlich Barrieren in der Kommunikation und damit Einschränkungen ihrer Autonomie. Digitale Technologien eröffnen neue Möglichkeiten der unterstützten Kommunikation, ihr Potenzial wird jedoch noch nicht flächendeckend genutzt. Es besteht daher Bedarf an praxisnahen Beispielen, die sowohl die psychologischen Prozesse der Krankheitsbewältigung als auch innovative technische Lösungen verständlich vermitteln. Die Maßnahme setzt genau an dieser Schnittstelle an.
Wissenschaftlicher Hintergrund: Ein innovatives Element der Maßnahme ist der Einsatz künstlicher Intelligenz zur Sprachsynthese. Die KI-generierte Stimme ermöglicht eine authentische Vermittlung der Inhalte und zeigt gleichzeitig auf, wie moderne Technologien Menschen mit schweren Sprechbeeinträchtigungen mehr Selbstbestimmung, Kommunikation und gesellschaftliche Teilhabe eröffnen können.
Die Maßnahme verfolgt einen konsequent ressourcenorientierten Ansatz. Sie richtet den Blick nicht auf Defizite oder Einschränkungen, sondern auf vorhandene Kompetenzen, Anpassungsfähigkeit und Entwicklungsmöglichkeiten. Gleichzeitig vermittelt sie gesundheitspsychologische Erkenntnisse verständlich und praxisnah und trägt so zur Stärkung der Gesundheitskompetenz unterschiedlicher Zielgruppen bei.
Zielgruppe und Ziele der Maßnahme: Durch die Verbindung von Peer-Erfahrung, psychologischer Expertise und technologischer Innovation entsteht ein niedrigschwelliges Bildungsangebot, das sowohl emotional berührt als auch wissenschaftlich fundierte Inhalte vermittelt. Die Maßnahme fördert Perspektivenwechsel, baut Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderungen ab und stärkt eine inklusive, gesundheitsfördernde Haltung in der Gesellschaft.
Inhalt/ Methode: Die Arbeit verbindet autobiografisches Erzählen mit gesundheitspsychologischer Wissensvermittlung. Ausgangspunkt ist die persönliche Lebensgeschichte von Frau Posch nach einem Locked-in-Syndrom, die den langfristigen Prozess der körperlichen und psychischen Anpassung nachvollziehbar macht. Fachliche Einordnungen durch die Psychologin und Psychotherapeutin Dr.in Doris Bach verknüpfen individuelle Erfahrungen mit wissenschaftlich fundierten Konzepten der Gesundheitspsychologie. Die Präsentation wird durch eine KI-generierte deutsche Stimme vermittelt, die aus englischsprachigen Sprachaufnahmen synthetisiert wurde und exemplarisch den Einsatz moderner unterstützter Kommunikation demonstriert. Ergänzende Bilder und persönliche Dokumente fördern die emotionale Identifikation und erleichtern den Wissenstransfer. Die Kombination aus narrativer Vermittlung, psychologischer Reflexion und technologischer Innovation ermöglicht einen niedrigschwelligen Zugang zu komplexen Themen. Dadurch werden sowohl emotionale als auch kognitive Lernprozesse angeregt.
Beginn/ Laufzeit/ Abschluss des Projekts: Die Entwicklung der Maßnahme begann 2020 und gipfelte in einem aktuellen wissenschaftlichen Vortrag zum Thema „Humor und Design“ mit geklonter Stimme der Locked in - Patientin im Radio Kulturhaus, im Mai 2024. Seither hat sich auch der Gesundheitszustand der Patientin verbessert. Es ist ihr unter anderem möglich mittels Kopfsteuerung ihren Rollstuhl selbst zu steuern und mittels augengesteuertem Computers sich mitzuteilen. Die gesundheitsförderlichen Maßnahmen werden kontinuierlich weiterentwickelt und gemeinsame Vorträge und Fortbildungen bei gesundheitsfördernden Veranstaltungen gehalten.
Bisherige Erfolge/ Meilensteine: Die persönliche Krankengeschichte wurde über mehrere Jahre systematisch dokumentiert und gemeinsam mit psychologischer Expertise reflektiert. Auf dieser Grundlage entstand ein wissenschaftlich fundiertes Präsentationskonzept mit gesundheitspsychologischem Schwerpunkt. Die Integration einer KI-basierten Sprachsynthese ermöglichte eine authentische und barriereärmere Vermittlung der Inhalte. Damit wurde ein innovativer Ansatz geschaffen, der persönliche Erfahrung, Gesundheitspsychologie und digitale Assistenztechnologie verbindet. Die Maßnahme ist für Vorträge, Fortbildungen und gesundheitsfördernde Bildungsangebote einsatzbereit. Erste Rückmeldungen bestätigen insbesondere die hohe Glaubwürdigkeit, die emotionale Wirkung sowie den Perspektivenwechsel bei den Teilnehmenden. Die Präsentation trägt dazu bei, Ressourcenorientierung, Inklusion und psychische Gesundheit stärker in den gesellschaftlichen Fokus zu rücken. Sie soll künftig in weiteren gesundheitsbezogenen Bildungs- und Präventionskontexten eingesetzt und wissenschaftlich evaluiert werden.
Einreichende Organisation/ Person: Dr.in Doris Bach in Kooperation mit Institut für Sozialästhetik und psychische Gesundheit (SFU); CliniClowns Forschungsverein
Weiterführende/ergänzende Links zur Maßnahme: https://on.orf.at/video/14327357/16103938/lebensmu...
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