Österreichische Akademie für Psychologen | ÖAP

SiBa 3.0 - Sichere Basis

Beschreibung: SiBa 3.0 stärkt Kinder und Jugendliche von psychisch belasteten oder erkrankten Eltern durch frühe, niederschwellige und kultursensible Unterstützung – und eröffnet damit neue Chancen für gesundes Aufwachsen.
Das Projekt verbindet Gesundheitsförderung, Prävention und Empowerment, indem es Familien entlastet, Fachkräfte sensibilisiert und nachhaltige Netzwerke etabliert.
Mit SiBa 3.0 wird ein Tabuthema sichtbar gemacht: Die psychische Gesundheit der nächsten Generation steht im Mittelpunkt – chancengerecht, partizipativ und zukunftsorientiert.

Problemstellung/ Ausgangslage: Empirische Untersuchungen belegen das Entwicklungsrisiko von Kindern und Jugendlichen mit psychisch erkrankten Eltern: Circa 60 % der betroffenen Kinder entwickeln im Laufe ihres Lebens eine eigene psychische Erkrankung. Belastungen entstehen durch prekäre Lebenslagen, fehlende Versorgungssicherheit, Parentifizierung sowie soziale Isolation. Hinzu kommt die Tabuisierung psychischer Erkrankungen, wodurch Kinder oft weder Unterstützung noch altersgerechte Aufklärung erhalten. Viele Familien aus sozioökonomisch benachteiligten Verhältnissen oder mit Migrationsbiografie sind besonders stark gefährdet. Gleichzeitig fehlen stabile Strukturen und Netzwerke, die eine kontinuierliche Begleitung und frühe Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen sicherstellen. Daraus ergibt sich eine große Versorgungslücke, die dringend innovative, niederschwellige und vernetzte Ansätze erfordert.

Wissenschaftlicher Hintergrund: In Österreich wachsen rund 50.000 Kinder mit einem psychisch erkrankten Elternteil auf, international wird sogar jedes sechste Kind als betroffen geschätzt. Andere Schätzungen gehen davon aus, dass ca. 25% der Kinder mit einem psychisch erkrankten Elternteil zusammenleben. Diese Kinder tragen ein drei- bis siebenfach erhöhtes Risiko, selbst psychische Auffälligkeiten oder Erkrankungen zu entwickeln. Studien zeigen, dass Armut, Arbeitslosigkeit, Beziehungsabbrüche oder Verluste zentrale Risikofaktoren für diese Kinder sind. Insbesondere Bewohner:innen von Wohnungsloseneinrichtungen bzw. Mutter-Kind-Einrichtungen sehen sich zusätzlich besonderen Krisen und Herausforderungen gegenüber. Als Schutzfaktoren gelten demgegenüber unter anderem das Wissen über die Erkrankung der Eltern, eine sichere und stabile Beziehung zu einer Bezugsperson bzw. soziale Unterstützung, Freunde und andere Interessensgebiete oder Aktivitäten des Kindes außerhalb der Familie.

Zielgruppe und Ziele der Maßnahme: Die Hauptzielgruppe sind Kinder und Jugendliche zwischen 4 und 18 Jahren, deren Eltern oder Geschwisterkinder an einer psychischen/ physischen Erkrankung leiden oder von einer psychischen Krise betroffen sind. Ziel des Projekts ist es, betroffene Kinder frühzeitig zu stärken, ihre Resilienz zu fördern und eine gesunde Entwicklung zu ermöglichen. Ebenso richtet sich das Projekt an die betroffenen Eltern selbst, die Unterstützung in ihrer Elternrolle und Elternkompetenz benötigen, um feinfühliger und stabiler auf die Bedürfnisse ihrer Kinder eingehen zu können. Besondere Aufmerksamkeit gilt Familien aus sozioökonomisch benachteiligten Verhältnissen und mit Migrationsbiografie. Zusätzlich werden durch aufsuchende Angebote auch Kinder und Eltern in Wohnungsloseneinrichtungen adressiert. Eine wichtige indirekte Zielgruppe sind Fachkräfte aus dem Gesundheits-, Sozial- und Bildungswesen, die mit diesen Familien arbeiten. Durch Vernetzungen und Fortbildungen werden Fachkräfte sensibilisiert und Versorgungslücken geschlossen. Langfristig verfolgt das Projekt die Vision, Stigmatisierung abzubauen, Chancengerechtigkeit zu erhöhen und nachhaltige Strukturen für psychische Gesundheitsförderung zu schaffen.

Inhalt/ Methode: Das Projekt SiBa 3.0 bietet mit einer zentralen Clearing-Stelle, Familiengesprächen und Gruppenangeboten für Kinder und Jugendliche einen niederschwelligen Zugang zu Unterstützung und altersgerechter Aufklärung. Zudem werden in Einrichtungen der Wiener Wohnungslosenhilfe Event- und Gesundheitsveranstaltungen und offene Kindergruppen aufsuchend angeboten. Ergänzend dazu sensibilisieren Fortbildungen für Fachkräfte für die oft unsichtbaren Belastungen dieser Kinder. Die Maßnahmen sind kultursensibel, zum Teil mehrsprachig, spielerisch-kreativ und partizipativ gestaltet, um Selbstwert und Selbstwirksamkeit der betroffenen Kinder zu stärken. Inhalte sind unter anderem Emotionsregulation und Affektwahrnehmung, Umgang mit Konfliktsituationen, Kommunikation in der Peergruppe und in der Familie, Ressourcenstärkung.

Webseite: https://femsued.at/arbeitsbereiche/siba-3-0-sicher...

Beginn/ Laufzeit/ Abschluss des Projekts: Mai 2026 - 30. April 2028

Bisherige Erfolge/ Meilensteine: Im Pilotprojekt SiBa (2022–2023) konnten entscheidende Grundlagen geschaffen werden: Eine zentrale Clearing-Stelle wurde etabliert, Familiengespräche und Gruppenangebote umgesetzt und ein starkes Wiener Support-Netzwerk aufgebaut. Durch Kooperationen mit medizinischen und psychosozialen Einrichtungen gelang es, Versorgungslücken sichtbar zu machen und zu schließen. In der Fortführung SiBa 2.0 (2024-2025) konnten zusätzlich durch Multiplikator:innen-Schulungen zahlreiche Fachpersonen aus dem psychosozialen Bereich zum Thema sensibilisiert werden. Die Sensibilisierung von Fachkräften sowie die aktive Einbindung betroffener Familien trugen wesentlich zur Enttabuisierung psychischer Erkrankungen bei. Die Verleihung des Wiener Gesundheitspreises 2023 bestätigt die hohe Relevanz und Wirksamkeit dieser Pionierarbeit.

Einreichende Organisation/ Person: Regina Heneis, MSc./ Institut für Frauen- und Männergesundheit, Frauengesundheitszentrum FEM Süd;
Fördergeber:innen: Fonds Gesundes Österreich und Wiener Gesundheitsförderung

Weiterführende/ergänzende Links zur Maßnahme: https://www.verrueckte-kindheit.at/de/fuer-mich/ne...