Österreichische Akademie für Psychologen | ÖAP

You Are Art - ungefiltert schön

Beschreibung: "YOUareART – ungefiltert schön" verbindet Gesundheitspsychologie und Kunstvermittlung, um Jugendliche für den Einfluss von Social Media auf Körperbild, Selbstwert und Schönheitsideale zu sensibilisieren. In kostenlosen Workshops werden sozioökonomisch benachteiligte Jugendliche direkt im Museum erreicht und entwickeln dort einen kritischen Blick auf digitale Schönheitsnormen und ihre eigene Mediennutzung. So verbindet "YOUareART – ungefiltert schön" Gesundheitsförderung mit kultureller Teilhabe und schafft neue Zugänge zu beiden Bereichen.

Problemstellung/ Ausgangslage:

.) Jugendliche wachsen in einer stark visuell geprägten digitalen Umgebung auf.

.) Soziale Medien vermitteln permanent idealisierte Körper- und Schönheitsbilder.

.) Filter und Bildbearbeitung machen diese Ideale zunehmend schwer von Realität unterscheidbar.

.) Jugendliche befinden sich gleichzeitig in einer Entwicklungsphase, in der Selbstbild und Selbstwert besonders geprägt werden.

.) Daraus entstehen Risiken für Körperunzufriedenheit und psychische Gesundheit.

.) Besonders relevant ist das für Jugendliche, die aufgrund ihrer sozialen oder ökonomischen Lebenssituation weniger Zugang zu klassischen Gesundheits- und Kulturangeboten haben.

.) Gleichzeitig erreichen klassische Gesundheitsförderungsangebote diese Zielgruppen nicht immer.

.) Es braucht daher innovative, niederschwellige Zugänge, die Gesundheitsförderung mit den Lebenswelten und Interessen Jugendlicher verbinden – "YOUareART – ungefiltert schön“ ist die Antwort darauf.

Wissenschaftlicher Hintergrund: Die Forschung zeigt, dass soziale Medien und insbesondere die wiederholte Betrachtung idealisierter Darstellungen mit der Körperwahrnehmung und Körperzufriedenheit junger Menschen zusammenhängen. Experimentelle und längsschnittliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass insbesondere die Betrachtung von Erscheinungsidealen in sozialen Medien das Körperbild negativ beeinflussen kann (de Valle et al., 2021; Fioravanti et al., 2022). Eine zentrale Rolle spielen dabei soziale Vergleichsprozesse: Eine aktuelle Meta-Analyse von 83 Studien mit insgesamt 55.440 Personen zeigt, dass stärkere soziale Vergleiche in sozialen Medien mit größeren Körperbildproblemen und mehr Symptomen problematischen Essverhaltens verbunden sind (Bonfanti et al., 2025). Auch digital bearbeitete und retuschierte Darstellungen sind relevant. Studien zeigen, dass die Betrachtung manipulierter Instagram-Bilder das Körperbild von Jugendlichen negativ beeinflussen kann und dass soziale Vergleichsprozesse dabei eine wichtige Rolle spielen (Kleemans et al., 2018). Darüber hinaus steht die Beschäftigung mit der Bearbeitung und Inszenierung eigener Fotos bei jugendlichen Mädchen mit Körperunzufriedenheit und weiteren körper- und essbezogenen Belastungen in Zusammenhang (McLean et al., 2015). Auch bestimmte ernährungs- und körperbezogene Inhalte in sozialen Medien wurden mit Körperbildproblemen und problematischem Essverhalten in Verbindung gebracht (Wu et al., 2024). Diese Befunde unterstreichen die Bedeutung von Medienkompetenz und der Fähigkeit, medial vermittelte Schönheitsideale sowie deren Inszenierung und digitale Bearbeitung kritisch zu hinterfragen. Der YOUareART-Ansatz greift diese Erkenntnisse auf und verbindet die Auseinandersetzung mit digitalen Körper- und Schönheitsidealen mit Gesundheitspsychologie, Kunstvermittlung und kultureller Teilhabe.

Zielgruppe und Ziele der Maßnahme: Die Hauptzielgruppe sind sozioökonomisch benachteiligte Mädchen und Burschen mit oder ohne Migrationsbiografie aus Bildungs- und Freizeiteinrichtungen. Die kostenlosen Workshops finden direkt in Museen statt und eröffnen Jugendlichen damit einen besonderen Zugang zu Kunst und kulturellen Räumen. Der Museumsraum ermöglicht es, persönliche und gesellschaftliche Themen kreativ, spielerisch und zugleich reflektierend zu bearbeiten. Gleichzeitig werden Museen für Zielgruppen geöffnet, für die ein Museumsbesuch bislang möglicherweise keine Selbstverständlichkeit ist oder durch soziale und finanzielle Barrieren erschwert wird. "YOUareART – ungefiltert schön“ verbindet damit Gesundheitsförderung, Selbstermächtigung, kulturelle Teilhabe und Chancengerechtigkeit. Im Mittelpunkt der Workshops stehen die Förderung von Gesundheitskompetenz, kritischer Medienkompetenz und Selbstwert sowie die Auseinandersetzung mit Schönheitsidealen und Körperbildern. Die Workshops werden gemeinsam mit Kunstvermittler:innen umgesetzt, die zu psychischer Gesundheit fortgebildet werden, um Wissen und Kompetenzen auch über die unmittelbare Projektlaufzeit hinaus zu verankern. Ergänzend vermitteln eine Social-Media-Kampagne und die Projektwebsite Informationen zu Filtermechanismen, Selbstinszenierung, Körperwahrnehmung sowie Beratungs- und Unterstützungsangeboten und laden Jugendliche zur eigenen Auseinandersetzung mit dem Thema ein.

Inhalt/Methode: Im Zentrum stehen kostenlose Workshops für Jugendliche im Alter von 12-18 Jahren, die in Kooperation mit der Heidi Horten Collection sowie der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien durchgeführt werden. Die Workshops werden interdisziplinär von Psycholog:innen und Kunstvermittler:innen geleitet. Ausgangspunkt der inhaltlichen Arbeit sind Originalkunstwerke, anhand derer historische und zeitgenössische Körperdarstellungen analysiert und mit heutigen Social-Media-Inszenierungen verglichen werden. Ebenso wird das Konzept der kognitiven Dissonanz benutzt, um sich von Schönheitsidealen zu distanzieren. Ergänzend zu den Workshops wurde eine begleitende Social-Media-Kampagne gestartet, die edukative Inhalte zu Filtermechanismen, Selbstinszenierung und den psychologischen Auswirkungen permanenter Vergleichsprozesse vermittelt. Beiträge veranschaulichen Vorher-Nachher-Effekte, klären über Körperdysmorphie auf und stellen Beratungs- sowie Anlaufstellen vor. Jugendliche werden aktiv dazu eingeladen, sich kreativ mit dem Thema auseinanderzusetzen und die Problematik in ihrem eigenen digitalen Umfeld sichtbar zu machen.

Webseite: www.femsued.at und YOUareART.at

Beginn/ Laufzeit/ Abschluss des Projekts: 01.02.2025 - 30.06.2026

Bisherige Erfolge/ Meilensteine:

.) Es konnten in ca. 9 Monaten 158 Workshops in der Heidi Horten Collection und der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste mit 1.866 Jugendlichen umgesetzt werden.

.) Die Projektwebsite bietet ausführliche Informationen zu den Themen.

.) Am 10. April 2026 gab es ein großes Pressevent mit Frau Bundesministerin Corinna Schuhmann.

.) Am 15.9. bekommt „YOUareART – ungefiltert schön“ den Wiener Gesundheitspreis.

.) Die Evaluationsergebnisse zeigen, dass circa ein Drittel der Jugendlichen zum ersten Mal ein Museum besucht haben und mehr als die Hälfte spricht zu Hause eine andere Sprache als Deutsch.

.) Mehr als 90% geben an, der Workshop habe ihnen gefallen und zwei Drittel geben an, der Workshop habe sie zum Nachdenken gebracht.

.) Ein Folgeprojekt konnte mit Juli 2026 starten.

Einreichende Organisation/ Person: Mag. Eva Trettler/ Institut für Frauen- und Männergesundheit, Frauengesundheitszentrum FEM Süd in Kooperation mit dasweil, Heidi Horton Collection, Wien Museum, Akademie der bildenden Künste Wien, GÖG, FGÖ, finanziert aus Mitteln der Agenda Gesundheitsförderung

Weiterführende/ergänzende Links zur Maßnahme: www.youareart.at

https://goeg.at/you_are_art_medieninfo

https://goeg.at/you_are_art_pressekonferenz

https://femsued.at/arbeitsbereiche/youareart/

https://www.kunstsammlungenakademie.at/org/veranst...

https://www.gesundheit.gv.at/news/aktuelles/aktuel...

https://www.kunstsammlungenakademie.at/en/informat...